Wie wir uns auf einen Drehtag vorbereiten – von Location-Scouting bis zur fertigen Shotlist
Ein Drehtag wirkt von aussen oft wie zwei, drei Stunden Kamera, Licht und viel Warten dazwischen. Was die wenigsten sehen: Bis wir ueberhaupt am Set stehen, liegen oft Wochen Vorbereitung hinter uns. Und ehrlich gesagt entscheidet genau diese Vorbereitung meistens darueber, ob ein Drehtag entspannt laeuft oder ob wir um 16 Uhr merken, dass uns zwei Stunden fehlen.
Wie sieht das bei uns konkret aus?
LOCATION-SCOUTING: MEHR ALS NUR „SIEHT GUT AUS“
Bevor wir ueberhaupt eine Kamera einpacken, schauen wir uns jede Location persoenlich an – nie nur auf Fotos. Uns interessiert nicht nur, wie ein Raum oder ein Aussenbereich aussieht, sondern auch: Wo kommt die Sonne wann rein? Gibt es genug Strom fuer unser Equipment? Wie laut ist die Strasse nebenan, wenn wir Ton brauchen? Ein Ort, der auf Instagram grandios aussieht, kann am Drehtag trotzdem zur Herausforderung werden, wenn die Lichtstimmung um 14 Uhr komplett kippt oder die Baustelle nebenan puenktlich um 8 Uhr losdroehnt.
Genau deshalb bauen wir ins Scouting auch immer Zeitpuffer ein: Wir schauen uns Locations moeglichst zur gleichen Tageszeit an, zu der spaeter gedreht wird.
DIE SHOTLIST – UNSER WICHTIGSTES ARBEITSMITTEL
Aus dem Scouting und dem Konzept entsteht die Shotlist: eine Liste jeder einzelnen Einstellung, die wir brauchen, mit Angaben zu Kameraposition, Bewegung, Objektiv und ungefaehrer Dauer. Klingt trocken, ist aber am Set Gold wert. Wenn am Drehtag ploetzlich Zeitdruck entsteht – und das passiert fast immer – ist die Shotlist die Grundlage, um in Sekunden zu entscheiden: Welche Einstellung ist unverzichtbar, welche koennen wir notfalls streichen, ohne dass der fertige Film darunter leidet?
Ohne Shotlist heisst Zeitdruck am Set meistens Chaos. Mit Shotlist heisst es: Wir haben einen Plan B, C und manchmal auch D.
ROLLEN KLAEREN, BEVOR DIE KAMERA LAEUFT
Ein Punkt, der oft unterschaetzt wird: Wer macht am Set eigentlich was? Gerade bei kleineren Teams verschwimmen Rollen schnell – der Kameramann hilft beim Licht, die Regie kuemmert sich nebenbei um Ton. Das funktioniert in Ruhe, wird aber zum Problem, wenn’s mal schnell gehen muss. Deshalb legen wir vorab fest, wer fuer was verantwortlich ist, und besprechen den Ablauf noch einmal kurz im Team, bevor es losgeht. Fuenf Minuten Briefing sparen am Set oft eine halbe Stunde Verwirrung.
WAS AM VORABEND NOCH PASSIERT
Am Tag vor dem Dreh geht die eigentliche Arbeit oft erst richtig los: Equipment-Check, Akkus laden, Fahrzeiten kalkulieren, Ansprechpartner vor Ort nochmal kurz anrufen, Wetterbericht checken. Kleinigkeiten, die keiner sieht, die aber den Unterschied machen zwischen einem Team, das am Set souveraen wirkt, und einem, das ab der ersten Minute hinterherlaeuft.
Ein Kollege aus unserem Team sagt dazu immer: „Ein guter Drehtag beginnt nicht morgens um 7, sondern zwei Tage vorher am Schreibtisch.“
Genau das ist unsere Philosophie: Je mehr Unsicherheiten wir vorher aus dem Weg raeumen, desto mehr Raum bleibt am Set fuer das, was wirklich zaehlt – gute Bilder und ein Team, das konzentriert statt gestresst arbeitet. Wenn Sie mal sehen wollen, wie das am Ende aussieht: Ein Blick in unsere abgedrehten Projekte lohnt sich.